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Kommentar: Alte Bilder, alte Muster – und eine Politik, die nichts gelernt hat

Veröffentlicht am 06.02.2026. · Archiviert von Bernd Grah

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Das Foto aus dem Jahr 2020 zeigt Personen, deren Namen heute erneut im Zusammenhang mit dem Alten Bahnhof auftauchen. Das ist eine Tatsache. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.
Wer daraus automatisch Schuldzuweisungen gegenüber Unternehmern ableitet, greift zu kurz. Nicht die handelnden Akteure sind hier das eigentliche Problem, sondern jene, die Verantwortung tragen, prüfen müssen – und offenbar wieder einmal nicht genau hinschauen wollten.
Beim Projekt Badehaus Ohligs wurde öffentlich mit großen Plänen geworben. Ebenso öffentlich ist inzwischen, dass dieses Vorhaben nicht als Vorzeige-Referenz taugt, sondern in langwierigen rechtlichen Auseinandersetzungen gelandet ist. Gerichte beschäftigen sich mit Fragen, die man politisch und administrativ sehr viel früher hätte stellen müssen: Tragfähigkeit, Umsetzung, Verlässlichkeit von Zusagen.
Genau hier liegt der Kern der Kritik – nicht bei Namen auf einem Foto, sondern bei der Stadt und der Politik.
Denn es gehört zu den elementaren Pflichten eines Vergabeverfahrens, Referenzen nicht nur entgegenzunehmen, sondern sie kritisch zu hinterfragen. Dazu reicht keine Hochglanzpräsentation und kein wohlklingendes Konzept, sondern es braucht einfache, nüchterne Recherche:
Was wurde angekündigt?
Was wurde umgesetzt?
Was ist gescheitert – und warum?
Dass nun beim Alten Bahnhof erneut große Worte fallen, während gleichzeitig bekannte offene Fragen aus früheren Projekten ausgeblendet werden, ist kein Zufall, sondern ein Muster. Und dieses Muster hat immer denselben Verlierer: die Allgemeinheit. Denn wenn Projekte scheitern, tragen nicht die politischen Entscheidungsträger die Folgen, sondern die Stadt, das Quartier, die Bürgerinnen und Bürger.
Deshalb kann es vor einer Entscheidung des Rates kein „Weiter so“ geben.
Es braucht eine echte, unabhängige Prüfung des gesamten Vergabeverfahrens, einschließlich der Frage, ob alle relevanten Informationen bekannt waren – oder bewusst nicht thematisiert wurden. Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, wäre ein grünes Licht fahrlässig.
Nicht Unternehmer stehen hier am Pranger.
Am Pranger steht eine politische Kultur, die Kontrolle mit Vertrauen verwechselt und Verantwortung gerne weiterreicht – bis es zu spät ist.