Nachdem pandemiebedingt viele Mitarbeiter der Stadt ihre Arbeiten mehr oder weniger vollständig von zu Hause erledigt haben, scheint es mir so dass es nicht mehr en vogue ist seinen Aufgaben entsprechen zu arbeiten.
Anders kann ich es mir überhaupt nicht vorstellen wie man als Kommune auf die Idee kommen kann die kommunale Wärmeplanung fremd vergeben zu wollen.
In einer Stadt, in der alle Dienstleistungen und Sachkosten sich im oberen Drittel von vergleichbaren Kommunen in ganz Deutschland befinden entsteht bei mir jedes Mal der Eindruck , dass ich als Bittsteller auftreten muss wenn ich eine Dienstleistung in Anspruch nehmen möchte.
Telefonische Warteschleifen oder Vorsprechen nur nach Terminabsprache in einem bestens bewachten Rathaus, in dem die jetzt anscheinend zuviel vorhandenen Sicherheitskräfte als Wegweiser oder zusätzliche Servicekraft fungieren sollen.
Ich bin auch nicht mehr bereit mir das ewige Gejammer zur Überlastung in allen Bereichen anhören zu müssen.
Wer sich als Kommune in der jetzigen Situation innovativ nach aussen darstellt mit der Auffassung, dass die bloße Ankündigung der Erstellung eines Wärmekonzepts schon in sich innovativ genug ist, hat doch den Schuss nicht gehört.
Die Mitteilung über die Presse, das Fremdvergabe geplant ist und der Bund finanzschwache Städte wie Solingen beim Erstellen einer kommunalen Wärmeplanung mit einer 100-Prozent-Förderung unterstützt zeigt einmal erneut auf das den Verantwortlichen nicht bewusst zu sein scheint das am Ende IMMMER alles vom Bürger bezahlt wird.
In vorauseilenden Fleiß wurde der entsprechende Antrag schon im Februar gestellt. Die Verantwortlichen im Rathaus rechnen mit einer Bewilligung zum 1. September. Dann soll Fremdvergabe erfolgen.
Aber warum Fremdvergabe ?
Die ganze wertvolle Arbeit der letzten Jahrzehnte der einzelnen Akteure im Konzern Stadt Solingen könnte mit der Erstellung eines gut recherchierten datenbasierten Planes endlich einmal für eine gute strategische Zusammenfassung genutzt werden. Viele bislang mehr in den Köpfen vorhandenen Ideen und Dinge würden im Zuge dessen eventuell sogar den Weg ins digitale Zeitalter nehmen und uns nicht mit den großen anstehenden Pensionierungswellen unweigerlich verloren gehen.
Einen solchen Plan zu erstellen, darf aus meiner Sicht auch Jahre dauern, ist aber auch eine extrem wichtige Zusammenfassung von Daten die in den meisten Facetten schon vorliegen.
Die vorliegenden Daten zusammen zu bringen , dieses Datenschutzkonform und für den Bürger in verständlicher Form zu tun ist die Aufgabenstellung.
Die Aufgabe wird ja nicht an einen Heer von mit Zollstock durch die Gegend laufenden Technikern ausgeführt, sondern von Experten ( lt. Stadt Solingen , was immer da die Experten sind und wo sie herkommen sollen).
Und das alles, weil unsere Kommune sich nicht zutraut, mal etwas außerhalb ihres festgetackerten Aufgabenbereichs zu tun.
Die verschiedenen städtischen Institutionen, wie Bauamt, Finanzamt, technische Betriebe, Stadtwerke usw. werden da ihre Expertise einbringen müssen und wir haben es im Vorfeld selber in der Hand ob diese extremst wertvollen Datenzusammenfassungen uns in den nächsten Jahren zugute kommen werden und sie eigenständig immer den Gegebenheiten anpassen können oder wir uns auf Dauer ein weiteres Bürokratiemonster heranzüchten und da auch noch viel Geld für verwenden müssen.
Es kann doch nicht falsch sein die Kosten “innerkommunal” zu erfassen und die zugesagte 100 % Förderung als willkommene Mitfinanzierung des kommunalen Haushaltes anzusehen.
Und das nach Datenschutzaspekten zu tun ist eine anspruchsvolle Aufgabe, vor der eine Kommune, welche die Digitalisierungsstrategie auf ihren Fahnen stehen hat, nicht zurückschrecken darf .
Die mittlerweile im Co-Working-Place agierenden Mitarbeiter des Herrn Wagner sollten doch in der Lage sein da für alle Teilbereiche die Schnittstellen zu schaffen .
Wenn diese Mitarbeiter jetzt nicht in der Lage sind, auch Aufgaben von hoher qualitativer Wertigkeit zu übernehmen und Innovationskraft in verschiedene Projekte zu stecken, weiß ich nicht, warum sie nicht einfach, wie viele andere, einfach ins Homeoffice abgeschoben wurden.
So sollte man nicht agieren, wenn man auf dem Weg zu einer modernen, lebenswerten, ökologisch wertvollen und ökonomisch sich selbst tragenden Kommune reifen möchte.
Also bitte , auch wenn wie immer kein Mensch auf meine Kritik reagiert , lasst euch das alles noch einmal in den entsprechenden Gremien durch den Kopf gehen.
Bernd Grah